Fotografie: Touching Strangers

Posted on 18. November 2017

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Wie wir mit Fremden umgehen, sagt viel über unsere Werte aus“

[Erschienen am 9. November 2017 auf „Kulturen des Wir“]

Zwei Fremde, die sich berühren und für ein Foto posieren. So simpel ist die Grundidee von ​Touching Strangers“, einem Langzeitprojekt des US-Fotografen Richard Renaldi. Doch im Auge des Betrachters entsteht sofort mehr: Wie überwinden wir Grenzen, was bedeutet Intimität? Wie verändert sich das Miteinander in einer nicht erst seit Donald Trump so aufgeladenen Gesellschaft wie der amerikanischen?

 

Herr Renaldi, in Ihrem Langzeitprojekt ​Touching Strangers“ zeigen Sie Menschen, die sich vollkommen fremd sind, in großer, fast intimer Nähe. Vielen muss das unangenehm gewesen sein. Warum haben sie trotzdem mitgemacht?

Ich war sehr direkt: Ich habe die Leute einfach gefragt, ihnen erzählt, dass mich die Beziehungen fremder Menschen interessieren – und dass sie sich für das Porträt berühren müssten. Überraschenderweise haben viele gleich gesagt, okay, los geht’s, was soll ich tun? Anderen habe ich auf meinem Smartphone Bilder gezeigt, damit sie wissen, was ich vorhabe. Ich habe natürlich auch viel erklärt. So hat sich langsam Vertrauen gebildet.

Was möchten Sie mit ​Touching Strangers“ zeigen?

Die Idee hat sich entwickelt, als ich nach der 9/​11-​Katastrophe Wartende an den Stationen der Greyhound-Überlandbusse in den USA fotografiert habe. Damals sind viele Menschen nicht mehr so gern ins Flugzeug gestiegen, sondern haben den Bus genommen. Mich haben die Dynamiken in solchen Gruppen interessiert, die Intimität, wie Fremde im öffentlichen, aber beengten Raum miteinander interagieren. Ich mag die Komplexität und zugleich auch die große Einfachheit des Projekts: Wie wir mit Fremden umgehen, sagt viel über unsere Werte aus. Ein großer Teil meiner Arbeit ist humanistisch, ich finde Menschen interessant und faszinierend. Und ich glaube, dass wir alle miteinander in Verbindung stehen.

 

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