Das alles bestimmende Thema

Posted on 20. Februar 2014

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[Dritter Teil einer Beitragsreihe zur Berlinale für das Goethe-Institut Kairo. Arabische Übersetzung hier.]

Der Goldene Bär geht nach Ägypten – schön wär’s! Aber wie hat sich Ägypten, die große Filmnation des Nahen Ostens, auf der 64. Berlinale geschlagen?

Die Berlinale ist vorbei, die Goldenen und Silbernen Bären sind vergeben. Der chinesische Krimi Bai Ri Yan Huo des Regisseurs Yinan Diao gewann den Preis als bester Film, und auch ein deutscher Beitrag wurde geehrt: Für das Drehbuch des Dramas Kreuzweg erhielten Anna und Dietrich Brüggemann einen Silbernen Bären.

Am Rande der Berlinale bekam auch ein ägyptisch-deutsches Filmprojekt eine Auszeichnung – wenn auch keinen Bären: Eine internationale Jury der Robert Bosch Stiftung verlieh Sherif Elbendarys Dry Hot Summers den Filmförderpreis für internationale Zusammenarbeit Deutschland/Arabische Welt. In dem Film verweben sich die Wege zweier einsamer Menschen, die sich an einem heißen, ereignisreichen Sommertag in Kairo treffen. Die Jury des Förderpreises, der zum zweiten Mal vergeben wurden, lobte vor allem die Liebe zum Detail und das präzise Konzept der 30-minütigen Produktion.

Wer momentan die größten Chancen haben will, außerhalb der arabischen Welt wahrgenommen zu werden, muss sich mit den arabischen Umbrüchen befassen. Das zeigt sich in der Oscarnominierung für Jehane Noujaims The Square – der ersten für einen ägyptischen Film nach Omar Sharifs Nominierung im Jahre 1962 – und dem großen Interesse für Arij von Viola Shafik. Auch der experimentelle Kurzfilm From Behind of The Monument verbildlicht sein Thema, die Beziehung von Bild, Ereignis und Zuschauer, mit pixeligen Fernsehbildern der Kämpfe auf der Mohamed-Mahmoud-Straße Ende 2011. Diesen Fokus auf die Ereignisse seit dem Sturz Mubaraks kann man gut finden oder nicht. „Die Revolution ist der thematische Katalysator“, sagt Shafik, „aber es gibt auch einen technischen: Durch die neuen Medien ist eine neue Filmkultur entstanden, eine alternative, junge Filmszene mit neuen Vertriebssystemen.“

Es mag bezeichnend sein, dass die am meisten beachteten Filme von zwei Frauen gedreht wurden, die nicht ständig in Ägypten leben. Aber vielleicht ermöglicht es erst diese doppelte Perspektive, der Blick von innen und außen, eine Geschichte aus der komplizierten ägyptischen Realität zu erzählen.

Man darf gespannt sein, ob sich ägyptische Filme trotz der strukturell widrigen Rahmenbedingungen auf die Festivals und in die Herzen der Zuschauer spielen können. Viola Shafik, die Regisseurin und Filmexperten, glaubt daran: „Vor allem im Dokumentarfilm gibt es zurzeit einige interessante Projekte.“ Vielleicht sind manche davon schon bald zu sehen: In Deutschland stehen als nächstes die arabischen Filmwochen von Berlin (im März) und Leipzig (im April) an.

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