Meine ägyptische Berlinale

Posted on 17. Februar 2014

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Jeder Berlinale-Besucher hat diesen einen, diesen Herzensfilm. Bei Christopher Resch ist es The Square über die ägyptische Revolution.

[Erster Teil einer kleinen Beitragsreihe für das Goethe-Institut Kairo über die Berlinale. Arabische Übersetzung hier, englische hier.]

Es gibt diesen einen Film, auf den sich die Berlinale, das weltgrößte Filmfestival, für mich verdichtet: Der erste für den Oscar nominierte ägyptische Beitrag, The Square, über die Anfänge der Revolution, wie sie sich auf dem berühmten Platz im Herzen Kairos abgespielt hat – dem Tahrir-Platz. Gleich um die Ecke habe ich gewohnt und gearbeitet. The Square ist ein Film, der meine eigene Geschichte mit der von ganz Ägypten verwebt.

Schnitt. Ganz so dramatisch muss es ja nun wirklich nicht sein. Zwei Tage bevor ich The Square mit klopfendem Herzen auf der Berlinale sehe, entbrennt eine Diskussion unter ägyptischen Filmexperten: Der Film behandle entscheidende Momente nur knapp, er zeige vor allem eine Seite, die der Revolutionäre, doch wo seien diese eigentlich jetzt? Der Film sei großartig, aber trotzdem naiv. Ich höre interessiert zu. Nachdem ich ihn gesehen habe, bleibe ich noch eine Weile im Kinosessel sitzen. Naiv? Vielleicht – ich habe das Gefühl, dass mir ein Urteil darüber nicht zusteht. Es ist jedenfalls ein verdammt eindrücklicher Film. Der Mann neben mir starrt noch lange auf den Abspann, das Kino leert sich nur langsam. Bei einem derart gut gemachten und emotionalisierenden Film wie The Square wundert es kaum, dass er für den Dokumentarfilm-Oscar nominiert ist.

Passend zur internationalen Aufmerksamkeit sind ägyptische Filme auch auf der Berlinale gut vertreten. Neben The Square behandelt Arij von Viola Shafik die Revolution, aus einer indirekteren Perspektive. Om Amira des Regisseurs Naji Ismail läuft im Kurzfilmwettbewerb, außerdem werden Shooting Stars Remind Me of Eavesdroppers (Regie: Maha Maamoun) und From Behind of the Monument (Jasmina Metwaly) gezeigt.

Schnitt. Die Berlinale ist voll von Stars, George Clooney, Lars von Trier, Bill Murray. Doch zu diesen Menschen und ihren Filmen habe ich keine Verbindung. Wieso auch? The Square, Al-Midan, zu sehen und zu wissen, dass viele meiner ägyptischen Freunde dabei waren und diese Euphorie, aber auch diese Enttäuschung  gespürt haben: Das war mein ganz persönliches Berlinalegefühl.

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