Der Geruch der Revolution

Posted on 17. Februar 2014

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Das Interesse an Filmen über die Umbrüche in Ägypten ist riesig. Viola Shafik, Regisseurin von Arij, nähert sich dem Thema auf unerwartete Weise.

[Zweiter Teil einer kleinen Beitragsreihe zur Berlinale für das Goethe-Institut Kairo. Arabische Übersetzung hier.]

Neben The Square ist Arij – Scent of Revolution der zweite lange Dokumentarfilm, mit dem Ägypten auf der Berlinale vertreten ist. Arij bedeutet Geruch. Gerüche sind flüchtig, subjektiv, sie berühren die Vergangenheit. Das ist der Reiz des Films: So komplex und mit der Vergangenheit verwoben die aktuelle Situation in Ägypten ist, so komplex fällt auch die Beschäftigung mit ihr aus. Westliche Medien suchen gern und oft nach den dramatischen Bildern, den Massen auf dem Tahrir-Platz, den Hubschraubern im Nachthimmel. Viola Shafik aber hat sich einer einfachen Annäherung an das Thema entzogen.

Frau Shafik, sie sind Filmdozentin, Filmexpertin und seit vielen Jahren Regisseurin. Warum ist Arij der erste Film geworden, mit dem Sie auf der Berlinale vertreten sind?

Der historische Zeitpunkt spielt natürlich immer eine Rolle, auch die Connections, die man zu anderen Leuten hat. Ich habe aber auch sehr hart gearbeitet, um vor allem auf narrativer Ebene eine persönliche Qualität zu erreichen, eine bestimmte Art von Erzählkunst, die für sich stehen kann.

Fiel es Ihnen leicht, das in Arij umzusetzen?

Die Herausforderung in diesem Film war, verschiedene Bezüge herauszuarbeiten, den Zusammenhang zwischen zwei gescheiterten Revolutionen herzustellen: der von 1952 und der aktuellen. Parallel dazu wird gezeigt, wie Luxor durch Korruption zerstört wird, auch das ist ein Bezug zur jetzigen Zeit. Das Schwierige dabei war, einen politisch-analytischen Film zu machen, der aber emotional zugänglich ist.

In Arij erzählen vier sehr verschiedene Personen von Ägypten und nähern sich dabei dem Thema Revolution auf oft ungewöhnliche Weise – da ist zum Beispiel die junge Frau, die sich in der Computerwelt Second Life mit Freundinnen am virtuellen Tahrir-Platz trifft. Doch es gibt in Arij noch eine fünfte Person, und das ist Viola Shafik selbst.

Der Film spiegelt meine persönliche Sicht der Dinge wider, er ist ein Stück weit auch Trauerarbeit gegen den Schock, das Trauma. Auch deshalb habe ich den Titel gewählt: Arij, Geruch, bedeutet für mich auch immer die Erinnerung an den Geruch von Tränengas.

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